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Mobil in Schwarzenbruck – man muss das Rad nicht neu erfinden...

...das zeigt ein Blick in den Mobilitätsatlas des Verkehrsclub Deutschland – kurz VCD:

„Wir haben die Möglichkeit, individuelle Mobilität so zu gestalten, dass es unserer Lebensqualität und unserem öffentlichen Zusammenleben dient und dem Klima nicht schadet.“  Dafür benötigt man allerdings politischen Willen, um gute Bus- und Bahnanbindungen, weniger Auto- und Schwerlastverkehr, abgasfreie Antriebe und ein unkompliziertes sowie sicheres Zufußgehen und Radfahren zu ermöglichen.

Es fängt schon damit an, dass die Flächenverteilung ausschließlich auf das Verkehrsmittel Auto ausgerichtet ist – das benachteiligt andere Verkehrsformen und beeinträchtigt den Aufenthalt im sogenannten öffentlichen Raum. Motivierende Tarife im VGN-Streckennetz, zum Beispiel in Form des 365,- Euro-Tickets, setzen die Reihe fort. Aber auch Mitfahrbänke und -Apps sowie barrierefreies Fortbewegen müssen bedacht werden.

Denn es geht um „lebenswerte Städte und Gemeinden“ mit verbesserten Infrastrukturen für das Fahrrad, Begegnungszonen in verkehrsberuhigten Gebieten, Fahrradstraßen und „shared spaces“, also Straßenraum, der gleichberechtigt genutzt wird.

Erreicht werden kann dies durch eine „multimodale Nutzung“ von Verkehrsmitteln:

Wir fahren morgens mit dem Rad zum Bahnhof, wo wir es bis zum Abend sicher in unserer Radbox aufbewahren können. Nach Nürnberg oder Neumarkt nutzen wir die S-Bahn. Per App reservieren wir ein Lastenrad, um noch Einkäufe für das Wochenende machen zu können oder einen Ausflug mit der Familie zu machen. Die Fahrt zum Möbelhaus wird im geliehenen Transporter absolviert. Wer ohne eigenes Fortbewegungsmittel im Ort vorankommen will, meldet in der „Mitfahr-App“ Bedarf an und wartet entweder an einer Mitfahrbank oder an anderen verkehrstechnischen günstig gelegenen Haltemöglichkeiten.

Die ersten Schritte sind ein leistungsstarker Nahverkehr und sichere Radwege sowie Flächen für Mobilitätsstationen.

Exkurs: An dieser Stelle soll die in letzter Zeit häufig verwendete Formulierung „des besorgten Radfahrers“ angesprochen werden: Sichere Radwege bieten nicht Platz für gestresste Radler, die ängstlich durch den PKW-lastigen Verkehr taumeln und hetzen – immer in Gefahr vom Rad gefegt zu werden von aggressiven Autofahrern, stets belächelt von „Kampfradlern“! Sichere Radwege bieten Raum zur Fortbewegung für selbstbewusste und gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer auf dem Fahrrad, die ihr Recht auf Beachtung im Straßenverkehr kennen und deshalb Rücksicht und Fläche einfordern, um schnell, sicher und klimabewusst ans Ziel zu gelangen!

„Die Verkehrswende von unten hat schon begonnen“ heißt es weiter. Da müssen wir gar nicht weit in die Vergangenheit reisen und die Gründung des ADFC im Jahr 1979 bemühen. Auch die erste „Critical Mass“ in San Francisco im Jahr 1992 brauchen wir nicht. Es reicht, wenn wir uns die Fahrradkorsos der letzten zwei Jahre in der Gemeinde ins Gedächtnis rufen: Was wir angestoßen haben, ist nicht mehr zu stoppen!

Was wäre, wenn wir uns jetzt noch Anleihen beim ersten Mobilitätsgesetz in Deutschland nehmen würden, das 2018 im Bundesland Berlin verabschiedet wurde:

Die einzelnen Elemente entstehen auch hier nach und nach. Sie ermöglichen in ihrer Gesamtheit eine zukunftsorientierte Mobilität: Die ersten Bausteine beschreiben allgemeine, verkehrsträgerübergreifende Ziele sowie Regelungen für den ÖPNV, den Rad- und den Fußverkehr. Dann folgen die Bausteine zur Neuen Mobilität (Carsharing und Digitalisierung). Auch das Thema Wirtschaftsverkehr soll überregional geregelt werden.

„Es geht nicht darum, notwendigen Autoverkehr ganz zu verbieten, sondern unnötigen Autoverkehr einzuschränken!“ Dabei sind die Einschränkungen nicht nur als Verzicht zu sehen. Ganz im Gegenteil, die Einschränkungen des Autoverkehrs stellen vor allem ein Gewinn für die Gemeinden, Städte, deren Bewohner und Besucher dar.

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